03.09.2026

Asiatische Kochkunst im Hospiz

Einer unserer Gäste, der aus Südostasien stammt, arbeitete viele Jahre mit großer Leidenschaft als Koch in verschiedenen Asia-Restaurants. Seit seiner Ankunft im Hospiz kann er das Bett leider nicht mehr verlassen. Trotz seiner körperlichen Einschränkungen war er sofort begeistert von der Idee, seine Kochkünste und die vietnamesische Küche mit unseren Gästen und dem Team zu teilen.

Mit großer Freude berichtete er von einem seiner Lieblingsgerichte: vietnamesischen Sommerrollen. Schnell war klar, dass dieses besondere Rezept gemeinsam umgesetzt werden sollte. Mit Unterstützung des Ehrenamtes und unserer FSJlerin Anne wurde die vietnamesische Küche direkt in sein Zimmer geholt.

Schon bald zog der Duft von frischen Zwiebeln, Limetten, Knoblauch und Kräutern durch das gesamte Hospiz. In einer großen Schüssel wurden die Zutaten sorgfältig vorbereitet: Möhren in feine Streifen geschnitten, Zwiebeln in feine Ringe gehobelt und Kräuter frisch gehackt. Unser Gast überwachte mit fachmännischem Blick und großer Genauigkeit jeden einzelnen Arbeitsschritt.

Mit großem Einsatz wurden schließlich rund 40 Sommerrollen gemeinsam mit unserem Gast direkt an seinem Bett vorbereitet und anschließend in heißem Öl goldbraun ausgebacken. Die ausgefeilte Technik für das Rollen erklärte unser Gast natürlich. Selbst der genaue Zeitpunkt, wann die Rollen ihre perfekte Farbe erreicht hatten, entging seinem geschulten Blick nicht. Auch der Dip aus Fischsauce, Knoblauch, Chili, Zitrone und viel Zucker wurde unter seiner Anleitung sorgfältig abgeschmeckt.

Das ganze Hospiz war begeistert. Gäste, Angehörige und Mitarbeitende konnten gar nicht genug von den köstlichen Sommerrollen bekommen. Für einen Moment fühlte es sich an, als wäre man mitten in Asien. Viele sagten, dass sie noch nie so leckere Sommerrollen gegessen hätten und gleichzeitig so viel über südostasiatische Kochkunst lernen durften.

Danke!

Vietnamesische Sommerrollen

für 6 Personen (angepasst nach dem Rezept unseres Gastes)

Zutaten für die Sommerrollen

  • 1 Packung Reispapier (ca. 12 Blätter)
  • 150 g Glasnudeln
  • 100 g Schweinehackfleisch
  • 100 g Hähnchenhackfleisch
  • 2 Karotten • 150 g Sojasprossen • 1 kleine Gemüsezwiebel
  • viel Öl zum Ausbacken • etwas Bier


Zutaten für den Dip

  • 1 Knoblauchzehe • 1 kleine rote Chili
  • Saft einer 1/2 Limette oder Zitrone • 2 EL Fischsauce
  • 4 EL Wasser • 1 EL Zucker


Zubereitung der Sommerrollen
Glasnudeln einweichen und klein schneiden.
Karotten in feine Streifen und Zwiebel in Ringe
schneiden, Sojasprossen säubern.
Mit beiden Hackfleischsorten vermengen.
Reispapier kurz in Bier tauchen, füllen, fest einrollen
und in heißem Öl goldbraun ausbacken.

Für den Dip
Fischsauce, Limetten- oder Zitronensaft,
Zucker und Wasser verrühren. Chili und Knoblauch
fein hacken, unterrühren und abschmecken.

Mehr als ein Rezept

Was mit einem Rezept begann, wurde zu einer besonderen Geschichte. Das gemeinsame Kochen weckte bei unserem Gast Erinnerungen, schenkte ihm neue Zuversicht und brachte ihn aus einer schweren Zeit der Traurigkeit heraus. Mit großer Freude überraschte er das Hospizteam deshalb mit einem weiteren Familienrezept und ließ die südostasiatische Küche ein zweites Mal bei uns lebendig werden.

Was uns an diesem Nachmittag besonders berührte:

Unser Gast verließ zum ersten Mal seit seiner Aufnahme im Hospiz sein Zimmer und kam mit seinem Bett vor den Gemeinschaftsraum. Dort wollte er seine Erfahrungen mit uns teilen und uns zeigen, wie man die zweite Variante der vietnamesischen Sommerrollen fachmännisch zubereitet und perfekt rollt.

Mit großer Geduld erklärte er jeden einzelnen Schritt, gab wertvolle Tipps und ließ uns an seinem Wissen und seinen Familienrezepten teilhaben. Die Freude am gemeinsamen Kochen war ihm deutlich anzusehen. Auch nach drei Stunden war seine Begeisterung ungebrochen. Mit viel Hingabe richtete er die fertigen Sommerrollen an und garnierte die Teller mit großer Liebe zum Detail.

Für uns alle war dieser Nachmittag weit mehr als ein Kochkurs. Er war ein bewegender Moment der Gemeinschaft, der zeigte, wie Erinnerungen, gelebte Kultur und gemeinsames Tun neue Lebensfreude schenken können. Unser Gast schenkte uns nicht nur ein weiteres seiner Familienrezepte, sondern auch ein Stück seiner Geschichte.

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